Zusatzbeiträge sind ein weiteres Zeichen für verheerende Fehlentwicklungen

München, 26 Januar 2010: Als sichtbares Zeichen einer „verheerenden Fehlentwicklung“ bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Dr. Axel Munte, die gestrige Ankündigung einiger Krankenkassen, künftig einen Zusatzbeitrag zu erheben. „Ich habe mich als Arzt und als Vorstandsvorsitzender der KVB stets für eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau eingesetzt“, so Munte. Doch die gesundheitspolitischen Entscheidungen der letzten Monate und Jahre machten es zunehmend schwieriger, die hohe Qualität der ärztlichen Leistungen zu bewahren. Dabei seien die aktuellen Entwicklungen das Ergebnis der fehlgeleiteten Gesundheitspolitik der früheren Bundesregierung, deren führende Protagonisten dafür auch die Verantwortung übernehmen müssten. Vorwürfe an den erst hundert Tage amtierenden Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler seien weder angebracht noch hilfreich. „Die strukturellen Mängel im Gesundheitssystem treten jetzt offen zutage. Die Zusatzbeiträge sind dabei nur ein für die Versicherten besonders deutliches Zeichen dieser verheerenden Fehlentwicklungen.“

Daher könne man den Krankenkassen auch nicht zum Vorwurf machen, dass sie künftig ihre Versicherten immer stärker durch Zusatzbeiträge belasten müssten. „Der von der Politik gewollte Wettbewerb findet zunehmend auf dem Rücken der Patienten statt!“ In Bayern spürten die Versicherten dies besonders schmerzlich, da die medizinische Versorgung hier vor allem hinsichtlich der Qualität der ärztlichen Leistungen bislang auf einem besonders hohen Niveau gewährleistet wurde. Um Wettbewerb im Gesundheitswesen zu fördern, werde die über Jahrzehnte gewachsene Vertragskultur zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen mehr und mehr zerstört. An ihre Stelle trete eine Zersplitterung der Vertragslandschaft in tausende von Einzelverträgen. „So wird unser solidarisches Gesundheitssystem immer weiter geschwächt und destabilisiert. Wenn künftig jede einzelne Facharztgruppe selbst in Verhandlungen mit den Krankenkassen tritt, dann ist eine Kostenexplosion in Bürokratie und Verwaltung zu Lasten einer guten Patientenversorgung nicht aufzuhalten“, erklärte Munte.
 
Der Vorstandsvorsitzende der KVB wies darauf hin, dass eine Wende zum Positiven nur durch eine strikte Orientierung an der Qualität gelingen könne. Die Krankenkassen forderte er auf, in allen Versorgungsverträgen das primäre Augenmerk auf den Erhalt der Qualität in der Patientenversorgung zu legen. „Die Versicherten haben ein Recht darauf, zu sehen, dass sich höhere Beiträge auch wirklich in einer noch besseren Behandlung niederschlagen. Solange dies nicht der Fall ist, ist der Ärger über die Zusatzbeiträge mehr als verständlich“, sagte Munte.

 

Presseinformation der KVB vom 26.01.2010 als PDF-Datei

Zusatzbeiträge sind ein weiteres Zeichen für verheerende Fehlentwicklungen