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KVB-Vertreterversammlung diskutiert Versorgungsstrukturen in Bayern und den Gesetzentwurf aus Berlin
München, 7. Juli 2011: Im Rahmen der Vertreterversammlung (VV) hat der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) gestern mit den Vertretern der niedergelassenen Haus- und Fachärzte sowie Psychotherapeuten in Bayern über die Inhalte des geplanten GKV-Versorgungsstrukturgesetzes (GKV-VSG) diskutiert. Positiv bewertete die VV dabei beispielsweise, dass die Kompetenz der Honorarverhandlung und -verteilung wieder auf die Landesebene übertragen wird und dass die umstrittene bundesweite Konvergenz der Vergütungen nicht umgesetzt wird. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution warnte die VV jedoch vor der geplanten Einführung der Ambulanten Spezialärztlichen Versorgung (ASV) in der vom Gesetzgeber geplanten Form.
Dr. Wolfgang Krombholz, Vorstandsvorsitzender der KVB, nahm in seinem Vortrag unter anderem die aktuelle Situation der hausärztlichen Versorgung sowie die Entwicklung der Arzneimittelkosten unter die Lupe. Dabei stellte Krombholz dar, dass in der hausärztlichen Versorgung eine Diskrepanz zwischen Statistik und Versorgungsrealität besteht. Aktuelle Analysen der KVB ergaben, dass von den über 9.000 in Bayern registrierten Hausärzten rund 1.600 Hausärzte nicht typisch hausärztlich tätig sind. Damit seien fast 20 Prozent der Ärzte, die formell zum hausärztlichen Versorgungsbereich gehören, nicht direkt an der Umsetzung des hausärztlichen Versorgungsauftrags beteiligt, so Krombholz. „Es ist höchste Zeit, die Hausärzte zu stärken und vor allem den hausärztlichen Nachwuchs zu fördern. Andernfalls drohen in Bayern schon bald größere hausärztliche Versorgungslücken.“ Einer der Punkte, die die hausärztliche Niederlassung unattraktiv machen, sei die Belastung durch den Bereitschaftsdienst. Darum beauftragte die VV den Vorstand, diese Problematik offensiv gegenüber Politik und Krankenkassen darzustellen. Zudem soll in der nächsten VV über Änderungen in der Bereitschaftsdienstordnung entschieden werden.
Ein weiterer wunder Punkt ist die Angst vor Regressen. Dabei resultieren die stetig steigenden Arzneimittelkosten vor allem aus dem Segment der hochpreisigen, innovativen bzw. neuen Arzneimittel, während die Verordnungszahlen preisgünstiger Arzneimittel zurückgehen, wie aktuelle Studien der KVB beweisen. Diese zeigten zudem, dass die Prüfkriterien, die für die Wirtschaftlichkeitsprüfung durch die Prüfstelle Ärzte Bayern gelten, zu willkürlichen Ergebnissen führen. So geraten durch die Anwendung der aktuellen Prüfkriterien insbesondere Ärzte in Regressgefahr, die besonders viele ältere oder besonders schwer erkrankte Patienten pharmakotherapeutisch betreuen – obwohl sie nur nach medizinischer Notwendigkeit und keinesfalls unwirtschaftlich verordnen. Der Vorstand der KVB wird deshalb die Prüfvereinbarung zur Wirtschaftlichkeitsprüfung zum 31. Dezember 2011 kündigen, um neue, bessere Prüfkriterien zu vereinbaren, und mit den Krankenkassen über die Aussetzung der laufenden Durchschnittsprüfungen verhandeln.
Der erste stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Dr. Pedro Schmelz, stellte in seinem Vortrag die Risiken einer möglichen Einführung der Ambulanten Spezialärztlichen Versorgung heraus. Komme diese wie derzeit vom Gesetzgeber vorgesehen, dann drohe eine Auszehrung des fachärztlichen Versorgungsbereichs. Zum einen sei durch die geplanten Regelungen fachärztliche Spitzenmedizin für die Patienten nicht mehr flächendeckend verfügbar, weil die Leistungen der ASV nicht mehr Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung seien und somit keinem Sicherstellungsauftrag mehr unterlägen. Zum anderen gäbe es unter den jetzigen Voraussetzungen keine Garantie für gleichermaßen hohe Qualitätsstandards. „Der vorliegende Gesetzentwurf fördert die Krankenhäuser weit mehr als die Niedergelassenen“, erklärte Schmelz.
Zweiter Schwerpunkt in seinem Vortrag war die Mitgliederorientierung. Unter dem Motto „Mehr Service für die Mitglieder“ hat das KVB-Vorstandstrio etliche Entwicklungen angestoßen, um die in Bayern niedergelassenen Ärzte künftig noch besser zu unterstützen. „Unser Ziel ist, das Vertrauen der Ärzte in die KVB zurückzugewinnen. Das geht vor allem mit mehr Transparenz, Service und kompetenter Beratung durch die Mitarbeiter der KVB“, so Schmelz. Um dieses Ziel zu erreichen, würden in allen Regionen Bayerns insgesamt 15 neue Präsenzberater gesucht und die gebührenpflichtigen 01805er-Nummern der Servicetelefonie auf Festnetznummern zum Ortstarif umgestellt.
Dr. Ilka Enger, zweite stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVB, stellte mögliche Auswirkungen des geplanten GKV-VSG auf die psychotherapeutische Versorgung dar. Hinsichtlich der Elektronischen Gesundheitskarte (eGK) bekräftigte Enger erneut die prinzipiell kritische Haltung des KVB-Vorstands gegenüber der Einführung der eGK – insbesondere wegen der mangelnden Praxistauglichkeit und der bereits jetzt im Vorfeld aufgetretenen Sicherheitsmängel. Ende Mai hatte der Vorstand der KVB den Basis-Rollout der eGK-Lesegeräte aufgrund der Sicherheitsmängel im System gestoppt. Das Votum der VV zum weiteren Vorgehen: Die KVB setzt nur die gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen hinsichtlich der Antragsbearbeitung auf Fördermittel für die Anschaffung der eGK-Lesegeräte um. Der Vorstand wird gleichzeitig aber auf Politik, Krankenkassen und Gerätehersteller einwirken, den Rollout zu stoppen.
Enger schloss ihren Vortrag mit Informationen zum Stand der Dinge hinsichtlich der Einführung des von ihr mitentwickelten Modells der Kostenerstattung. „Mit dem Ärztenetz GOIN aus dem Raum Ingolstadt haben wir bereits eine Modellregion für die Umsetzung gefunden. Aktuell finden Gespräche zur Ausgestaltung des Modells mit interessierten Krankenkassen statt“, so Enger. Ihr ehrgeiziges Ziel: Der Start des Modellvorhabens „Versorgungsmodell Gesundheitsland Bayern“ (VGB) für mehr Transparenz, Honorargerechtigkeit und Planungssicherheit zum 1. Januar 2012.
Presseinformation vom 07.07.2011 als PDF-Datei
KVB-Vertreterversammlung diskutiert Versorgungsstrukturen in Bayern und den Gesetzentwurf aus Berlin
Hintergrundinformationen
Informationen zur Hausärztlichen Versorgung
Informationen zur Arzneimittelversorgung
Resolution der KVB-Vertreterversammlung zur geplanten ambulanten spezialärztlichen Versorgung
Resolution, Begründung und weitere Forderungen
