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Gewalt gegen Frauen – Ärzteschaft hat Lotsenfunktion
München, 24. November 2011: Frauen werden immer wieder Opfer von Gewalt. Eine 2004 durchgeführte Umfrage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter Frauen im Alter von 16 bis 85 Jahren hatte ergeben, dass 40 Prozent mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren haben. Nicht selten sind Ärzte die ersten und einzigen Ansprechpartner. Den von den Vereinten Nationen ausgerufenen „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“, der seit 30 Jahren am 25. November begangen wird, nehmen das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) der Landeshauptstadt München, der Ärztliche Kreis- und Bezirksverband München (ÄKBV) und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) deshalb zum Anlass, an die Verantwortung der Ärzteschaft zu appellieren.
Gewalt gegen Frauen umfasst grundsätzlich viele Facetten – sie reicht von der (sexuellen) Belästigung über Vergewaltigung bis hin zum Frauenhandel, der Zwangsheirat, Ehrenmorden und Genitalverstümmelungen. „Gewalterfahrungen werden häufig verschwiegen“, erklärt Dr. Emma Auch, Menschenrechtsbeauftragte des ÄKBV. Deshalb müssten Ärztinnen und Ärzte sich ihrer Schlüsselrolle in der Unterstützung der Opfer bewusst sein. Wichtig ist es zu erkennen, ob hinter Verletzungen und Erkrankungen eine Gewaltproblematik steckt. Gerade bei männlichen Kollegen sei eine ganz besondere Sensibilität und Professionalität nötig, damit Frauen sich trauen, über Verletzungen physischer und psychischer Art zu sprechen.
Häufig scheitert die Durchsetzung rechtlicher Interessen von betroffenen Frauen an einer unzureichenden Dokumentation der Verletzungen. Umso wichtiger ist die gerichtsfähige Dokumentation der Gewalterfahrungen von Frauen. Anlaufstelle hierfür ist die Ambulanz für Gewaltopfer der LMU München. Neben Diagnose und Dokumentation muss zudem die Sicherheit der Frauen schnell abgeklärt werden, denn gerade kurz nach der Offenbarung von Gewaltanwendungen handeln die Täter besonders affektiv. Hierfür stehen besondere Einrichtungen wie Frauenhäuser und andere Schutzeinrichtungen, aber auch Krisendienste und Beratungsstellen zur Verfügung. Die Landeshauptstadt München unterhält unter anderem ein täglich besetztes Krisentelefon, das unter 089-763737 zu erreichen ist. Weitere Informationen sind im Internet unter www.muenchen.de/frauengesundheit zu finden. So soll betroffenen Frauen, Mädchen und Kindern schnell, kompetent und nachhaltig geholfen werden.
Presseinformation vom 24.11.2011 als PDF-Datei
Gewalt gegen Frauen – Ärzteschaft hat Lotsenfunktion
