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Wartezeiten in der Psychotherapie
Statement von Dr. Ilka Enger, 2. stellv. Vorsitzende des Vorstands der KVB, zur Frage nach dem Bedarf an Angeboten zur Überbrückung der Wartezeiten in der Psychotherapie, 21.11.2011:
„Ich begrüße es sehr, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ein wissenschaftliches Gutachten zur Versorgungssituation psychisch kranker Menschen in Auftrag gegeben hat. Ich teile keineswegs alle Schlussfolgerungen des KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Köhler zu dem kürzlich vorgestellten Zwischenbericht des Gutachtens. Aber ich denke, dass wir nur mit einer differenzierten Analyse endlich der Diskrepanz zwischen angeblicher Überversorgung im Bereich der psychotherapeutischen Experten und teilweise erheblichen Wartezeiten auf einen Therapieplatz auf den Grund kommen können. Fakt ist, dass der Leistungsbedarf stetig ansteigt: So erkranken laut der Studie jährlich 25 bis 30 Prozent der Bevölkerung an psychischen und psychosomatischen Störungen. Fakt ist aber auch, dass für diesen permanenten Anstieg der Erkrankungen zu wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Hier lautet unsere Forderung ganz klar, die Psychotherapie mit zusätzlichen Geldern, die dem steigenden Bedarf auch gerecht werden, auszustatten und nicht durch reine Umverteilung Unfrieden unter den Fachgruppen zu schaffen.
Ein zentrales Fazit aus der Studie ist für mich, dass man mehr Angebote zur Überbrückung der Wartezeit bis zum Beginn einer Therapie schaffen muss. Eine Möglichkeit, die mit Experten diskutiert werden sollte, könnten dabei die von KBV-Vorstandschef Köhler angesprochenen niederschwelligen Angebote sein. Grundvoraussetzung für solche Angebote ist allerdings, dass auch eine Abrechnungsmöglichkeit für die ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten, Psychiater und Hausärzte besteht, damit solche Leistungen nicht, wie es heute bereits teilweise der Fall ist, unentgeltlich erbracht werden müssen. Es muss dabei ganz klar sein, dass niederschwellige Angebote eine umfassende Therapie nicht ersetzen können. Sie stellen vielmehr eine Überbrückung dar, um eine Chronifizierung und Verschlechterung des Gesamtzustandes des Patienten zu verhindern und dem Patienten eine Perspektive bis zum eigentlichen Beginn der therapeutischen Sitzungen zu geben. Ich denke, dass dies auch im Sinne der Krankenkassen zielführend wäre, um den so genannten Drehtüreffekten - also der in kurzen Zeitabständen wiederholt fälligen stationären Einweisungen eines Patienten - wirkungsvoll zu begegnen.
Einen weiteren wichtigen Effekt der Studie sehe ich darin, das Thema psychische Erkrankungen wieder einmal öffentlich zu machen. Es ist notwendig, die noch immer vorhandenen Vorbehalte in Bezug auf die wissenschaftlich fundierten Therapien abzubauen. Dieses wichtige Thema liegt mir sehr am Herzen. Denn nur wenn die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Fachärzten und Psychotherapeuten vorbehaltlos und konstruktiv abläuft, ist eine sinnvolle ganzheitliche Behandlung des Patienten gewährleistet.“
