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Mitglieder-Umfrage psychotherapeutische Versorgung

Ziel der Umfrage war es, den Hinweisen auf einen Anstieg des Bedarfs für psychotherapeutische Leistungen mit objektiven Daten nachzugehen. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Die KVB führte von 31. Mai bis 11. Juli 2021 eine Online-Befragung der bayerischen Vertragspsychotherapeutinnen und -therapeuten zu Anzahl und Ablauf von Patientenanfragen in der Praxis durch. Kurz nach Beginn der Corona-Pandemie hatten sich die Hinweise auf einen Anstieg des Bedarfs an psychotherapeutischen Leistungen gemehrt.

Erste Hinweise auf einen Anstieg des Bedarfs an psychotherapeutischen Leistungen zeigten sich etwa sechs Monate nach Beginn der Corona-Pandemie. Durch den üblichen Zeitversatz bis zum Erhalt der geprüften und aufgearbeiteten Abrechnungsdaten können Änderungen in diesen Daten nur mit hohem zeitlichem Verzug festgestellt werden.

Um auf Notwendigkeiten der Versorgung aktuell reagieren und gegebenenfalls sofortige Maßnahmen ergreifen zu können, waren daher neue Daten aus den Praxen erforderlich. Hierbei waren nicht nur Informationen zu denjenigen Patienten relevant, die eine Behandlung erhalten, sondern insbesondere auch zu denen, deren Versorgungsbedarf zu diesem Zeitpunkt nicht oder noch nicht erfüllt werden konnte.

Hier galt es herauszufiltern, auf welchen Wegen die noch suchenden Patientinnen und Patienten Kontakt zum psychotherapeutischen Versorgungssystem aufnehmen, welche regionalen Unterschiede es gibt und ob sich Charakteristika bei Therapieanfragen und Kontakte (Sprechstunde versus Therapieplatz) erkennen lassen.

Aufgrund der Kurzfristigkeit wurde die Umfrage nicht als Studie, sondern als einfache Online-Befragung für alle bayerischen Vertragspsychotherapeuten konzipiert.

Die Umfrage und ihre Ergebnisse dienen vor allem der Exploration, die wertvolle Hinweise für das Verständnis der geänderten Versorgungslage unter den Bedingungen der Corona-Pandemie geben kann.

Fragestellung und Ziel

Der Fragebogen gliederte sich in vier Themenbereiche:

  • Teil 1 beinhaltete die statistischen Grundangaben der Praxis, um die Repräsentativität der Befragungsteilnehmer zu prüfen und um anhand zentraler Praxisvariablen wie Praxisgröße, Tätigkeitsumfang, therapeutischer Grundausrichtung, regionalem Kontext usw., die Ergebnisse für verschiedene Untergruppen betrachten und vergleichen zu können.
  • Teil 2 befasste sich mit der Abfrage der Anzahl der direkten und indirekten Kontaktaufnahmen in einem definierten Zwei-Wochen-Zeitraum. Die besondere Anforderung für die Praxen bestand in diesem Fragebogenteil darin, in einer zweiwöchigen Phase alle Kontaktanfragen – auch solche, die nicht zu einer regulären Abrechnung mit der KV führten – und den Umgang mit ihnen zu dokumentieren. Die täglichen Aufzeichnungen sollten eine hohe Antwortqualität ermöglichen.
  • Teil 3 der Umfrage beschäftigte sich mit Fragen zum allgemeinen organisatorischen Umgang mit Patientenanfragen in der Praxis sowie zum allgemeinen Mengenvolumen von Anfragen und Aufgaben im Versorgungsalltag der Praxis (besonders der PT-Sprechstunden). Auch die Zeitdauer bis zum Beginn der verschiedenen psychotherapeutischen Maßnahmen sollte hiermit abgeschätzt werden.
  • Teil 4 schließlich beschäftigte sich mit Fragen zur Zusammenarbeit mit der Terminservicestelle und der Koordinierungsstelle Psychotherapie. Es wurden zudem offene Fragen gestellt, um Hinweise zu erhalten, was im Einzelnen die Zusammenarbeit mit diesen Service-stellen befördert oder verhindert.

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Die alltäglichen Patientenanfragen übersteigen die von den Psychotherapeuten vorgehaltenen Behandlungsplätze/Behandlungstermine bei weitem.
  • Die weitaus meisten Anfragen zielen auf eine Beratung beziehungsweise die psychotherapeutische Sprechstunde.
  • Die Anfragezahlen je Psychotherapeutin/Psychotherapeut variieren nach Region: So gibt es ein Stadt-Land-Gefälle der Anfragezahlen pro Psychotherapeut, wobei in den Städten eher eine geringere Zahl von Kontaktanfragen auftritt.
  • Es besteht ein Nord-Süd-Gefälle der Anfragezahlen pro Psychotherapeut, wobei im Norden Bayerns tendenziell eine höhere Zahl von Kontaktanfragen auftritt (Beispiel Oberfranken).
  • Bei der Mehrzahl der Psychotherapeuten kann bei entsprechenden Anfragen eine PT-Sprechstundeinnerhalb von zwei Wochen angeboten werden. Die regionalen Unterschiede sind erheblich.
  • Bei der Mehrzahl der Psychotherapeuten kann bei entsprechenden Anfragen eine psychotherapeutische Behandlung erst nach über drei Monaten beginnen. Die regionalen Unterschiede sind erheblich. Auch hier fällt Oberfranken durch einen hohen Anteil an Psychotherapeuten auf, der erst nach über drei Monaten Behandlungsplätze anbieten kann.
  • Nicht einmal jeder zweite Psychotherapeut hat jemals freie Plätze an die Terminservicestelle oder Koordinierungsstelle Psychotherapie gemeldet. Aktuell meldet nur jeder zehnte Psychotherapeut freie Plätze, was mutmaßlich auch mit der gegenwärtig steigenden Nachfrage nach Behandlungsmöglichkeiten zusammenhängt.

Schlussfolgerungen

Hohe Belastung der Praxen

Die Ergebnisse zeigen, dass zum Zeitpunkt der Umfrage die Belastungen in den psychotherapeutischen Praxen Bayerns insgesamt hoch waren. Trotz einiger Unterschiede im Spannungsfeld von Therapieangeboten und Patientennachfrage ist eine Belastung im Prinzip über alle Praxiskonstellationen hinweg feststellbar (Verhaltenstherapie/analytische Therapie, Teilzeit/Vollzeit, Zielgruppe Kinder/ Erwachsene).

Regionale Unterschiede

Sehr wichtige Ungleichheiten konnten indes in den verschiedenen Regionen Bayerns erkannt werden. Die regionalen Unterschiede sind insgesamt vielfältig und zeigen sich besonders deutlich bei Anfragen zu konkreten Plätzen für eine Richtlinienpsychotherapie. In den nördlichen Regierungsbezirken Bayerns, vor allem aber in Oberfranken, sehen sich in der Folge deutlich weniger Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in der Lage, kurzfristig einen Therapieplatz anbieten zu können, als in Südbayern.

So geht es weiter

Insgesamt erscheint es wichtig, die Erkenntnisse der Umfrage in einem geeigneten Zeitabstand zu überprüfen. Dabei gilt es insbesondere, die Feststellungen bezüglich der regionalen Unterschiede von Angeboten und Patientennachfragen vertieft zu beobachten.

Spätestens bei einer wiederholten Beobachtung der beschriebenen Ergebnisse könnten sich hieraus unmittelbare Handlungsfelder ergeben oder zumindest Fakten ableiten, die in eine Diskussion zu einer Reform der Bedarfsplanung eingebracht werden können.

Quelle: KVB FORUM 7-8/2022, Text: Redaktion