Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB)Ausdruck vom 05.06.2026 13:32 Uhr
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Presseinformation KVB und BLÄK: Primärversorgung ist keine Aufgabe für Apotheken – Diagnostik und Therapie als ärztliche Kernkompetenz

München, 5. Juni 2026: Die Bayerische Landesärztekammer (BLÄK) und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) kritisieren die Vorschläge der Bundesvereinigung der Apothekerverbände (ABDA) zur möglichen Ausweitung der Rolle von Apotheken in der Primärversorgung. Die stärkere Einbindung von Apotheken in Ersteinschätzungen und Testungen bei medizinischen Problemen oder erweiterte Befugnisse bei der Arzneimittelabgabe können aus Sicht der Ärzteschaft die aktuellen Herausforderungen der medizinischen Versorgung nicht lösen.

"Apothekerinnen und Apotheker leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Arzneimittelversorgung und -therapiesicherheit. Primärversorgung bedeutet jedoch weit mehr als nur ein möglichst niedrigschwelliges Angebot. Sie umfasst Anamnese, Untersuchung, Diagnostik, Therapieentscheidung und Behandlung in ärztlicher Verantwortung", erklärt Dr. Gerald Quitterer, Präsident der BLÄK.

Gerade vermeintlich einfache Beschwerden seien häufig medizinisch nicht eindeutig. Hinter harmlos erscheinenden Symptomen könnten sich ernsthafte Erkrankungen verbergen. Deshalb brauche es die ärztliche Einordnung des gesamten Krankheitsbildes. Das Pharmaziestudium qualifiziere für die Arzneimittelversorgung, nicht jedoch für ärztliche Diagnostik und Therapie. Und noch weniger seien pharmazeutisch-technische Assistentinnen und Assistenten für medizinische Tätigkeiten ausgebildet.
 
Kritisch bewerten BLÄK und KVB insbesondere die Vorschläge, Apotheken stärker in digitale Ersteinschätzungssysteme einzubinden, diagnostische Testungen auszuweiten oder den Status bei chronischen Erkrankungen zu überwachen. Diese Aufgaben griffen unmittelbar in Diagnostik und Therapieentscheidungen der Ärztinnen und Ärzte ein und dürften deshalb nicht ohne ärztliche Verantwortung organisiert werden.

Es sei zudem grotesk, wenn Apotheken in Zukunft mehr Geld für die "digitale Unterstützung" von Patientinnen und Patienten erhalten würden als die Ärztinnen und Ärzte für die eigentliche Behandlung. Eine solche Ungerechtigkeit könne auch keine funktionierende Basis für ein suffizientes und am Patientenwohl orientiertes Gesundheitswesen bilden.

"Wer Patientinnen und Patienten besser durch das Gesundheitssystem steuern will, darf keine überflüssigen Parallelstrukturen schaffen. Wir brauchen weniger Schnittstellen und klare Zuständigkeiten. Medizinische Ersteinschätzung und Patientensteuerung sind originäre Aufgaben der Kolleginnen und Kollegen in Kliniken und Praxen. Wenn es weiter eine gute Zusammenarbeit geben soll, dann kann ich der ABDA nur eines raten: Schuster, bleib bei deinen Leisten," betont Dr. Christian Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender der KVB.

Aus Sicht von BLÄK und KVB würden zusätzliche medizinische Befugnisse für Apotheken neue Schnittstellen, unklare Verantwortlichkeiten und zusätzlichen Abstimmungsbedarf erzeugen. Die Folge wäre nicht Entlastung, sondern eine weitere Fragmentierung der Versorgung. Eine solche belastet am Ende die Praxen mit Mehrarbeit. 

"Partnerschaft bedeutet nicht Austauschbarkeit", betonen Quitterer und Pfeiffer abschließend. "Apothekerinnen und Apotheker sind wichtige Partner in der Versorgung. Die Verantwortung für Diagnostik, Therapie und medizinische Primärversorgung muss jedoch klar bei Ärztinnen und Ärzten bleiben." Von der ABDA vermisse die Ärzteschaft hingegen ein gemeinsames Verständnis von Patientenversorgung und sieht die Zusammenarbeit durch solche Äußerungen als gefährdet an.