Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB)Ausdruck vom 03.03.2024 14:25 Uhr

Presseinformation

Innovation im Notfall: Raschere Hilfe durch digitale Vernetzung in Bayern

München, 5. Dezember 2023: Das Erreichen eines wichtigen Schrittes zur besseren Steuerung von Patienten in der Akut- und Notfallversorgung im Freistaat Bayern haben das Bayerische Staatsministerium des Inneren, für Sport und Integration, das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) heute in München bekannt gegeben. Am heutigen 5. Dezember wurde die letzte der 25 bayerischen Integrierten Leitstellen – Rufnummer 112 – und die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 digital miteinander vernetzt. Damit ist ab sofort bayernweit in allen Leitstellen eine direkte digitale Vernetzung zwischen den beiden Rufnummern hergestellt. Eine solche Lösung ist bundesweit bislang nur im Stadtstaat Berlin vorhanden und wurde nun mit diesem bayerischen Modell erstmals flächendeckend in einem Bundesland realisiert. Die Anrufer können damit schneller und effektiver in die für sie richtige Versorgungsebene gelenkt werden.

Patienten, die außerhalb der üblichen ärztlichen Sprechzeiten der Praxen die Bereitschaftsdienstnummer 116117 anrufen und sich als akuter Notfall erweisen, werden mitsamt der dazugehörigen Einsatzdaten über die neue Schnittstelle direkt digital an die Integrierten Leitstellen weitergeleitet – ohne dass eine erneute Datenabfrage notwendig ist. Bislang war eine telefonische Vermittlung zwischen den Leitstellen und den Vermittlungs- und Beratungszentralen der KVB notwendig, was zu Verzögerungen von bis zu zwei Minuten führen konnte. Durch die neue Schnittstelle liegen den Disponenten in den Integrierten Leitstellen sofort alle wesentlichen Patientendaten vor, die sie dann unmittelbar in die Fahrzeuge von Notärzten und Rettungsdiensten übermitteln können.

Zudem werden jetzt Patientinnen und Patienten, die kein medizinischer Notfall sind, aber bei der Rufnummer 112 angerufen haben, an die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117 digital weitergeleitet. Denjenigen, die nur ambulant behandlungsbedürftig sind, wird medizinische Versorgung entweder in einer der KVB-Bereitschaftspraxen, per Hausbesuch oder in einer Arztpraxis zu den regulären Öffnungszeiten angeboten.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann betont: "Mit der Einführung dieser Schnittstelle hat Bayern eine Vorreiterrolle. Wir haben die Verzahnung von KVB-Zentrale und Integrierter Leitstelle bereits flächendeckend umgesetzt. Das ist ein weiterer Zugewinn in der Notfallversorgung unserer Bürgerinnen und Bürger in Bayern."

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach betonte: "In medizinischen Notfällen zählt jede Minute! Deshalb ist die Zusammenführung der beiden Telefonleitstellen, der Notrufnummer 112 und der Bereitschaftsnummer 116117, ein großer Gewinn! Denn kranke Menschen in Not können oft nicht selbst einschätzen, ob sie medizinisch ein Notfall sind oder Beschwerden haben, die nicht unmittelbar durch einen Arzt versorgt werden müssen. Von der technischen Vernetzung erwarte ich mir daher, dass die Patientensicherheit deutlich verbessert wird, da sich die Übergabezeiten verkürzen und die Rettungsdienstressourcen gezielter eingesetzt werden können. Zugleich verspreche ich mir hiervon eine Entlastung der Notaufnahmen in den Krankenhäusern, da die Patientinnen und Patienten ohne Notfallbedarf rascher in die ambulante Versorgung zu den KVB-Bereitschaftspraxen oder Arztpraxen gesteuert werden. Bayern setzt damit bereits einen wesentlichen Baustein der Notfallreform um, während auf Bundesebene die Diskussionen noch laufen."

Der Vorstand der KVB – Dr. Christian Pfeiffer, Dr. Peter Heinz und Dr. Claudia Ritter-Rupp – erklärte dazu: "In den vergangenen Monaten haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Vermittlungs- und Beratungszentralen der KVB und in den Integrierten Leitstellen die Verbindung intensiv getestet. Inzwischen wurden bayernweit über 1.000 Einsatzaufträge erfolgreich digital übertragen. Als erstes Flächenland konnten wir damit die Vernetzung vollständig abschließen und haben ein Musterbeispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Rettungsdienst und Bereitschaftsdienst zum Wohle einer guten Patientenversorgung geliefert."

Der Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117 stellt die ambulante ärztliche Versorgung außerhalb der Sprechstundenzeiten sicher. Bei lebensbedrohlichen Fällen wie auch schweren Unfällen hingegen ist stets die Integrierte Leitstelle unter der Notrufnummer 112 zu verständigen.