Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB)Ausdruck vom 06.07.2026 14:17 Uhr
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Presseinformation FALK reagiert auf ABDA-Vorstoß: "Finger weg vom Arztberuf!"

München, 6. Juli 2026: Die in der Freien Allianz der Länder-KVen (FALK) zusammengeschlossenen Kassenärztlichen Vereinigungen werfen der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) vor, mit ihrem Positionspapier zur Primärversorgung die Grenzen zwischen Apotheke und Arztpraxis bewusst einreißen zu wollen. Für FALK ist klar: Wer den Arztberuf scheibchenweise übernehmen will, muss damit rechnen, dass auch über die Zukunft der Apotheken gesprochen wird.
 
"Die ABDA verlässt den Boden einer vernünftigen Arbeitsteilung und greift nach Aufgaben, die ihr einfach nicht zustehen", erklären die FALK-Vorstände. "Diagnosen stellen, Therapien planen und Patienten behandeln sind keine Zusatzqualifikation und keine Serviceleistung. Wer suggeriert, man könne ärztliche Verantwortung nebenbei in die Apotheken verlagern, spielt mit der Patientensicherheit."
 
Aus Sicht von FALK geht es dabei nicht um eine bessere Versorgung, sondern um einen immer weitergehenden Griff nach ärztlichen Kompetenzen. "Die Apothekerschaft scheint jedes Jahr ein neues Stück Arztberuf für sich zu entdecken. Erst Beratung, dann Diagnostik, dann Therapie – wo soll das eigentlich enden? Wer den Arzt ersetzen will, sollte zuerst erklären, warum dafür weder Medizinstudium noch Facharztausbildung nötig sein sollen."
 
Sollten die Apotheker weiterhin auf einer Ausweitung ihres Aufgabenbereichs bestehen, müsse auch geprüft werden, welche organisatorischen Aufgaben der Apotheken künftig von den Praxen übernommen werden können. Einige KVen gehen hier bereits voran. "Wer die Spielregeln ändern will, darf sich nicht beschweren, wenn plötzlich alle Karten neu gemischt werden", erklären die FALK-Vorstände. "Sollte die ABDA diesen Kurs fortsetzen, wird sich die Ärzteschaft nicht länger auf die Rolle des stillen Zuschauers beschränken. Wer den Arztberuf angreift, muss damit rechnen, dass künftig auch die bisherigen Privilegien und Aufgaben der Apotheken grundsätzlich zur Diskussion stehen."

Vor diesem Hintergrund sehen die FALK-KVen derzeit drei konkrete Ansätze:

  • Medikamentenausgabe an Bereitschaftspraxen: Modellprojekte mit automatisierten Ausgabesystemen sollen es ermöglichen, verordnete Arzneimittel direkt nach der Behandlung auszuhändigen – insbesondere zur Verbesserung der Versorgung außerhalb der Öffnungszeiten.
  • Zentrale Impfstoffbestellung: Eine koordinierte Beschaffung durch die Ärzteschaft soll den tatsächlichen Bedarf besser abbilden, Lieferengpässe reduzieren und Impfkampagnen erleichtern.
  • Neuorganisation des Sprechstundenbedarfs: Eine zentrale Bestellung ausgewählter Produkte über den spezialisierten Großhandel könnte Praxen organisatorisch und finanziell entlasten.

FALK-Geschäftsführer Martin Degenhardt erklärt: "Zudem geht es auch darum, wofür es die Apotheke vor Ort überhaupt noch braucht? Vieles lässt sich für Patientinnen und Patienten einfacher, effizienter und medizinisch sinnvoller in der Arztpraxis oder über den Versand organisieren. Entscheidend für eine gute Versorgung ist nicht die schleichende Verlagerung ärztlicher Tätigkeiten in den Einzelhandel, sondern eine starke ambulante ärztliche Versorgung vor Ort. Das Dispensierrecht im Notdienst – wie es nun geplant ist – kann hier nur der erste Schritt sein. Weitere müssen folgen."