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Verschlüsselung von Diagnosen mit ICD-10-GM

Die Vorgaben zum Kodieren von Diagnosen wurden aktualisiert und gelten seit dem 1. Januar 2022 verbindlich für alle an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte und Psychotherapeuten. Diese Vorgaben gelten im Kollektivvertrag, in Selektivverträgen und bei ambulanten Krankenhaus-Behandlungen.

Je genauer Vertragsärzte und -psychotherapeuten kodieren, desto genauer bilden sie ihr Behandlungsspektrum und das der Fachgruppe ab und schaffen die Basis für die Messung der Morbiditätsentwicklung. Aber nicht nur für den Honorartopf ist die Kodierung wichtig, sondern auch für die Krankenkassen, dies spielt eine nicht unerhebliche Rolle beim Finanzausgleich.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat eine neue Fassung der ICD-10-GM veröffentlicht. Es handelt sich dabei um die Version für das Jahr 2023. Sie bildet zusammen mit dem Operationen- und Prozedurenschlüssel (OPS) die Basis für die Entgeltsysteme in der ambulanten und stationären Versorgung.

Kodierunterstützung (Software-Update ab 01.01.2022)

Durch ein Software-Update erhalten Praxen ab 1. Januar 2022 eine digitale Kodier-Unterstützung, die beim Verschlüsseln von Diagnosen helfen soll. Diese wird in das Praxisverwaltungssystem (PVS) eingebunden und steht Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten direkt zur Verfügung. Bekannte Funktionen zum Kodieren wurden aktualisiert und neue Funktionen aufgenommen. Die Kodier-Unterstützung soll langes Suchen und Nachschlagen in Büchern oder im Internet nach komplexen Diagnosen vermeiden. Es kann wahlweise zwischen ICD-Vollversion und der eigens ausgewählten Kode-Vorauswahl gewechselt werden. Basis für die Regeln und Vorgaben bleibt weiterhin die ICD-10-GM.

Die Kodierunterstützung enthält:

  • Kodesuche (Suche kann fachgruppenspezifisch angepasst werden, sodass nur eine Auswahl von Kodes angezeigt wird)
  • Benutzungshinweise (Hinweise aus der ICD-¬10-¬GM, zum Beispiel zur Meldepflicht einer kodierten Krankheit nach dem Infektionsschutzgesetz)
  • Verschlüsselungsanleitung (Kodebezogene Hinweise oder Anzeige als Gesamtdokument möglich)

Neu hinzu gekommen:

  • Kodier-Check:
    Beim Kodier-Check prüft die Software mithilfe eines Kodier-Regelwerkes, ob der ausgewählte Kode zu den bereits vorhandenen Kodes des Patienten passt und macht ggfls. Korrekturvorschläge. Werden dabei Unstimmigkeiten festgestellt, erhält der Arzt einen Hinweis. Kodier-Check kann direkt beim Kodieren oder bei der Abrechnung durchgeführt werden. Die Funktion steht vorerst ausschließlich für die Diagnosebereiche bei Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes Mellitus und Bluthochdruck-Folgen zur Verfügung.
    Der Kodier-Check enthält sowohl obligate als auch wahlweise fakultative Regeln, die fakultativen können nach Wunsch deaktiviert werden. Die ärztliche Entscheidung behält weiterhin oberste Priorität.
  • Dauerdiagnosen:
    Hier handelt es sich um eine Funktion die Kennzeichnung eines Kodes als Dauerdiagnose prüft inwieweit dieser dafür geeignet ist. Werden Akutdiagnosen als Dauerdiagnosen gekennzeichnet erhält der Arzt einen Hinweis mit alternativen Kodiermöglichkeiten.
    Die Kennzeichnung kann als "Dauerdiagnose" und/oder als "anamnestische Diagnose" erfolgen.
  • Eine weitere neue Funktion ist der quartalsübergreifender Dauerdiagnosen-Check, zunächst für die zwei Diagnosenbereiche akuter Herzinfarkt und akuter Schlaganfall. Sie prüft, inwieweit diese Diagnosen dauerhaft über mehrere Quartale als akute Erkrankungen vorliegen. Die Nutzung ist freiwillig und kann individuell etwa im Rahmen der Abrechnung eingestellt werden, beispielhaft ob und welche Regeln zur quartalsübergreifenden Prüfung der Dauerdiagnosen zur Anwendung kommen sollen.

Die Kodierhilfe steht auch als mobile Anwendung für Smartphones und Tablets zur Verfügung. Mit der App können Ärzte und Psychotherapeuten die ICD-10-GM bequemer durchsuchen. Sie enthält fachliche Erläuterungen zu nahezu allen Diagnosekodes.

Nutzer finden die kostenlose und werbefreie App des Zi im Google Play Store (Android) sowie im Apple App Store (iOS) über das Stichwort "Zi-Kodierhilfe".

Hausarztthesaurus/Facharztthesauri

Die KVB unterstützt Sie mit fachgebietsbezogenen Unterlagen bei der Kodierung der Behandlungsdiagnosen entsprechend dem ICD 10, damit Sie ohne großen Aufwand die jeweilige Kodierung finden. [mehr]

Zi-Kodiermanuals

Die Entwicklung von Kodier-Manualen ist Teil eines Maßnahmenpakets des Zentralinstituts der Kassenärztlichen Versorgung (Zi), mit dem Ziel, die Kodier- und Datenqualität weiter zu unterstützen und letztlich die Darstellung der Morbidität zu verbessern.

Was ist ein Kodier-Manual?

Es handelt sich um eine Zusammenstellung von ICD-Codes mit Informationen zu einem bestimmten Krankheitsbild. Der Anstoß hierzu kam von niedergelassenen Ärzten und Mitgliedern der Arbeitsgruppen im Projekt Zi-Kodierhilfe. Es berücksichtigt auch Erfahrungen mit den Haus- und Facharzt-Thesauren. Das Manual bietet nicht nur die Kriterien für die Kodierung, sondern auch eine übersichtliche Darstellung von Kodierzusammenhängen.

An wen richtet sich ein Kodier-Manual?

Kodier-Manuale eignen sich für komplexere Fragestellungen, die nicht täglich vorliegen oder mangels Wissen falsch bzw. nicht in ausreichender Tiefe kodiert werden. Zwischenzeitlich liegen Kodiermanuale für folgende Erkrankungen vor:

Kodier-Manual HIV

Kodier-Manual Demenz

Kodier-Manual Infektanfälligkeit

Weitere Kodier-Manuale

Es werden Zug um Zug weitere Manuale für RSA-relevante Krankheiten erarbeitet. Vorgesehen sind kleine, übersichtliche Kodier-Manuale, in denen die Verschlüsselung spezifischer und komplexer Krankheitsbilder – beispielsweise in Form von Flussdiagrammen (Flow-Charts) – visualisiert wird.