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Gemeinsame Presseinformation vom 30.05.2022

Volkskrankheit Rheuma: Wie Betroffene ihre Krankheit beeinflussen können

München, 30. Mai 2022: Rheumatoide Arthritis (kurz Rheuma) zählt zu den chronischen Volkskrankheiten. Rund jede hundertste erwachsene Person in Deutschland leidet darunter. Die Behandlung erfolgt vornehmlich symptombezogen mit Arzneimitteln. Dabei ist bekannt, dass vor allem auch psychische Belastungen zu Krankheitsschüben führen. Das Innovationsfondsprojekt PETRA 2.0 (Personalisierte Therapie bei Rheumatoider Arthritis) greift diesen Zusammenhang auf und ermöglicht Rheumapatientinnen und -patienten eine ursachengerechte Auseinandersetzung mit ihrer Erkrankung. Von Rheuma betroffene Erwachsene, die bei der AOK Bayern oder einer der 39 teilnehmenden Betriebskrankenkassen (BKK) versichert sind, können sich seit dem 1. Februar 2022 über teilnehmende rheumatologische Praxen in den 23 bayerischen Modellregionen in das Programm einschreiben.

Wie bei vielen chronischen Erkrankungen so wird auch bei Rheuma vermutet, dass sich Psyche und die Erkrankung gegenseitig beeinflussen. Kern des PETRA 2.0-Projekts ist ein gruppenbasiertes Kompetenztraining, das von speziell fortgebildeten Psychotherapeuten im Zeitraum von neun Monaten durchgeführt wird. Parallel zum Kompetenztraining sind die Patientinnen und Patienten bei ihrer Rheumatologin oder ihrem Rheumatologen in Behandlung.

PETRA 2.0 stützt sich auf den Ansatz der Psychoneuroimmunologie (PNI), die die Wechselwirkung zwischen Psyche und Immunsystem aufzeigt und den Einfluss von psychischen Belastungen und Stress auf das Immun-, Nerven- und Hormonsystem belegt. Die Wirkung des PNI-Modells wird wissenschaftlich anhand der Messung von Immunparametern und der Evaluation verschiedener emotionaler, funktionaler und entzündlicher Aspekte belegt. Dazu werden die Hauptzielvariablen im Laufe der Studie durch klinische rheumatologische Untersuchungen, in Labormessungen und mit Fragebögen sowie Routinedaten erhoben.

Basierend auf den Erkenntnissen der PNI wurden insgesamt fünfzehn Interventionsmodule entwickelt, die sich auf unterschiedliche Aspekte des täglichen Lebens fokussieren. Betroffene lernen unter anderem, die mit ihrer Krankheit einhergehenden Gefühle wie Angst, Ärger, Depression, Zweifel oder Überdruss in ihrer täglichen Lebens- und Arbeitswelt selbstbestimmt zu steuern, Stress zu bewältigen und Problemlösungsstrategien zu erarbeiten. Ziel ist es, das die Teilnehmenden ihre persönlichen Ressourcen entdecken und im Kompetenztraining lernen, wie sie ihr eigenes Gesundheitspotenzial stärken.

Insgesamt werden 440 Patientinnen und Patienten - je zur Hälfte in einer Interventions- und Kontrollgruppe – für das Projekt gesucht. Für die Studie werden laufend weitere rheumatologische und psychotherapeutische Praxen gesucht. Interessierte erhalten weitere Infos über die beteiligten Krankenkassen und die rheumatologischen Praxen.

Hintergrund

Das Projekt PETRA 2.0 wird über den Innovationsfonds aus Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung mit einem Volumen von rund 4,4 Millionen Euro gefördert und soll im Dezember 2024 abgeschlossen werden. Es wird wissenschaftlich von Medizinern, Psychologen, Psychotherapeuten und anderen Experten begleitet. Die Konsortialführung hält der BKK Landesverband Bayern. Konsortialbeteiligte sind die AOK Bayern, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, der Berufsverband der Präventologen, die Medizinische Universität Innsbruck, die Universität Regensburg, die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung Landesgruppe Bayern und der Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) Service GmbH. Das Förderkennzeichen lautet: 01NVF20024.